In früheren Zeiten wäre Werner Herzog vielleicht der spanischen Inquisition beigetreten. Er hat etwas von der Aura eines Fanatikers an sich, der in seinem Eifer sämtliche Grenzen überschreitet. Fast all seine Filme basieren auf grandiosen Visionen, die jedoch letztendlich enttäuschen.
Nehmen wir zum Beispiel seinen bekanntesten Streifen »Fitzcarraldo« (1981): Ein Exzentriker, der im Urwald ein Opernhaus bauen will, lässt in Südamerika auf einer Expedition ein riesiges Schiff von Eingeborenen über einen Berg ziehen. Das Bild des Dampfers, wie er vor einer grandiosen Naturkulisse den Abhang hinaufgezogen wird, fasziniert. Die Menschen aber, die den Film bevölkern, bleiben uns seltsam fremd. Sympathieträger sucht man in Herzogs Filmen vergebens. Die chaotischen Dreharbeiten des Films und Herzogs dramatische Zusammenstöße mit Hauptdarsteller Klaus Kinski sind inzwischen Legende. 2004 hat der Filmemacher unter dem Titel »Eroberung des Nutzlosen« seine Tagebuchaufzeichnungen veröffentlicht.
Herzog verzichtet fast völlig auf den üblichen Filmklatsch, sondern erzählt von der unglaublichen Armut der Eingeborenen und dem beschwerlichen Leben im Urwald. Einmal ist er so abgebrannt, dass er zwei Flaschen Shampoo gegen einen Sack Reis tauscht, von dem er sich drei Wochen lang ernährt. Banales steht neben Tiefschürfenden. Gerade das macht den Reiz aus.
Zum Scheißen kam mir weit in den Wald hinein ein Schwein nach, schnuppernd und bis zur absoluten Schamlosigkeit auf meinen Schiss wartend. Selbst mit Holzprügeln, die ich nach ihm warf, ließ es sich nur ein paar symbolische Schritte weit vertreiben.
»Zu viel Information«, denkt man sich da. Jeder andere hätte diesen Film ganz gemütlich in einem Studio gedreht. Man fragt sich, was ein Regisseur wie John Huston mit diesen Stoff angefangen hätte. Bei Herzog jedoch ist der beschwerliche Weg gegen alle Wiederstände das eigentliche Ziel. Deshalb ist sein Buch über die Dreharbeiten weitaus packender, als der eigentliche Film. Die Geschichte eines besessenen Opernliebhabers, der das Schiff über den Berg transportiert, ist weniger faszinierend als die eines besessenen Regisseurs, der diese Fantasie in der Realität nachspielt. Doch ist die Kunst jedes Opfer wert?
Auch wenn er diesmal nicht im Mittelpunkt des Geschehens steht, findet natürlich auch Klaus Kinski Erwähnung. So schildert Herzog, wie er nachts im Hotel das Blut von den Wänden wischt, gegen die der cholerische Schauspieler seine zierliche Ehefrau geschmissen hat. Was ging wohl in ihm vor, während er dies tat? An manchen Stellen hat man das Gefühl die Ausführungen eines Kriegsberichtserstatters zu lesen. Am Ende bleibt Herzog selbst in seinen eigenen Tagebuchaufzeichnungen ein distanzierter Beobachter, dem Extremsituationen mehr interessieren, als Menschen.
Werner Herzog: Eroberung des Nutzlosen | Deutsch
Fischer Taschenbuch 2009 | 334 Seiten | amazon-info

Aber dann hat er die Tabletten nicht genommen, weil nicht nur Arzt- sondern auch Tablettenmuffel. Und erst wie die Freundin dann endgültig weg war, und wie dann der Kühlschrank eines Tages vollkommen leer war, und auch die anderen Schubladen, also Dosen und so weiter, Nudeln, Reis, alles leer, also wie dann nur mehr die Tabletten da waren, da hat er die Tabletten gegessen. Und seither wie ausgewechselt! Mehr das Positive!
Die körperliche Gewalt, die ausgeprägteste Erscheinungsform der Individualisierung, sollte in den westlichen Ländern die sinnliche Begierde ablösen. (Michel Houellebecq, »Elementarteilchen«)
Es reihte sich Sieg an Sieg für die Schweizer Truppen. Im Süden und in Mozambique standen sie im Grabenkrieg den Buren gegenüber, im Norden reichte ihr Einfluss bis an die Grenze zum äthiopischen Kaiserreich. Und dort, wo kein Krieg herrschte, bauten sie Schulen, Universitäten und Krankenhäuser. Strassen wurden Tausende von Werst durch Ostafrika gezogen und Eisenbahnstrecken verlegt, es kamen Arbeiter und Ingenieure, Wissenschaftler und Soldaten, immer mehr Soldaten. Ihr Kommen war wie eine Plage für einige, wie ein Segen für andere.
Kafka Tamura ist der Protagonist, dessen wirklicher Name uns aber verborgen bleibt – ein Junge, der sich an seinem 15. Geburtstag dazu entschließt, sein Zuhause zu verlassen und sich einfach auf den Weg zu machen, auf seine persönliche Odyssee.
Die Cäsar-Verschiebung ist die simpelste aller Verschiebechiffren und beruht auf zwei identischen Alphabeten, von denen eines schlicht in die eine oder andere Richtung verschoben wird. (…) Bei einem System mit einer Verschiebung von -1 wüsste man rasch, dass ein C im chiffrierten Text eigentlich ein D ist und immer so weiter. Nach Ansicht der Science-Fiction-Fans ist das berühmteste zeitgenössische Beispiel einer solchen Verschiebung der Name des Computers HAL aus 2001: Odyssee im Weltraum: Man setzt eine Verschiebung von -1 voraus, liest sich HAL nämlich als IBM.
»Die Milliarde« hat etwas sehr Beruhigendes, etwas Sanftes sogar. Sie unterstreicht, dass es hinter den Millionen weitergeht (…) Danke, Milliarde! Du bist jetzt meine beste Freundin.
Die erste Zeit nach seinem Rausschmiss aus der Berufsschule fühlte sich Kuhl wie ein glücklich entlaufener Sklave. Die Freiheit kam ihm fast unheimlich vor. Er stand um die Mittagszeit auf, frühstückte am Bahnhofs-Stehimbiss in Gegenwart junger, übernächtigter Nutten und schlenderte dann von Kino zu Kino, gelegentlich auch wieder zurück. Manche Filme musste man zweimal sehen, um zu begreifen, wie low das Leben einem mitspielen konnte, »Li Feng – Die einarmige Schwertkämpferin« zum Beispiel. Es wurmte ihn, dass es Frauen wie Ching Ching Chang nicht in Wirklichkeit gab.
»Ich mach den Abgang bevor es richtig losgeht.« (…) »Und wissen Sie, was das Schlimmste ist?!« (…) »Ich sterbe als beknackte Jungfrau. Scheißspiel.«
»Ich bin verdammt«, denkt Bunny Munro in jenem plötzlichen klaren Moment, der denen vorbehalten ist, die bald sterben werden. Er merkt, dass er irgendwann irgendwo einen schlimmen Fehler gemacht haben muss, aber diese Erkenntnis verklingt so schnell, wie sie gekommen ist. Jetzt steht er da, in einem Zimmer des Grenville Hotels und in Unterhose, allein mit sich und seinen Trieben.
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